Das Naturschutzsystem in Polen

Die ersten Formen des Naturschutzes auf dem Gebiet unseres Landes konnten bereits im frühen Mittelalter beobachtet werden. Während der Herrschaftszeit der Piasten-Dynastie wurden zweitweise Jagdeinschränkungen für ausgewählte Tierarten eingeführt. Verboten war auch die Abholzung mancher Bäume, u.a. der Eibe.

Richtig befasst hat man sich mit dem Naturschutz allerdings erst im 20. Jh. In der Zwischenkriegszeit wurden in Polen die ersten Naturschutzgebiete gegründet und Naturdenkmäler bestimmt. Es entstanden damals auch die ersten Nationalparks.

Dem polnischen Naturschutzgesetz zufolge bilden heute die Nationalparks die höchste Form des Naturschutzes. Ihre Fläche muss mindestens 1000 ha umfassen und bei allen Aktivitäten auf ihrem Gebiet muss darauf geachtet werden, dass ihre Naturvorzüge davon nicht betroffen werden.

Ebenso streng geregelt sind die Schutzaspekte in den Naturschutzgebieten – sie schützen die Reste der wilden Natur und keinerlei Eingriffe auf ihrem Terrain sind ohne Genehmigung möglich. Andere Formen des Naturschutzsystems sind Landschaftsschutzparks, Landschaftsschutzgebiete, Natura-2000-Gebiete, geschützte ökologische Nutzflächen, Naturdenkmäler, geschützte geologische Nachweisstellen sowie geschützte Natur- und Landschaftskomplexe .

Innerhalb der Landschaftsschutzparks ist das menschliche Eingreifen nicht so strickt dem Naturschutz unterordnet – auf ihrem Gebiet ist eine gewerbliche und landwirtschaftliche Tätigkeit erlaubt.

Einen vergleichbaren Status haben die Landschaftsschutzgebiete, jedoch im Unterschied zu den Parks verfügen sie über keine eigene Verwaltung, d.h. über keine Ordnungsdienste der National- bzw. Landschaftsschutzparks. Die übrigen Schutzformen werden lokal gebildet und ergänzen das nationale System.

In der Woiwodschaft Westpommern umfassen die Schutzgebiete insgesamt rund 20% der Fläche. Es befinden sich hier zwei Nationalparks (Nationalpark Wolin sowie der Großteil des Nationalparks Drawa), sowie sieben Landschaftsschutzparks: der Landschaftsschutzpark Stettin/Buchheide, der Landschaftsschutzpark Unteres Odertal, der Landschaftsschutzpark Cedynia, der Landschaftsschutzpark Ińsko, der Landschaftsschutzpark Drawsko, ein kleines Fragment des Landschaftsschutzparks Warthemündung sowie ein Teil des Landschaftsschutzparks Barlinek-Gorzów, der zwar innerhalb der Grenzen der Woiwodschaft Westpommern liegt, jedoch der Verwaltung des Marschalls der Woiwodschaft Lebus unterstellt ist.

117 Objekte haben momentan den Status eines Naturschutzgebiets. Wald-Naturschutzgebiete schützen die am besten erhaltenen Fragmente wertvoller Baumbestände, die innerhalb der jeweiligen Region selten auftreten bzw. an der Grenze ihres Lebensbereichs wachsen. In Moor-Naturschutzgebieten stehen unterschiedliche Moorlandschaftsarten unter Schutz (Hoch, Übergangs- und Niedermoore) und in Xerophyten-Naturschutzgebieten die auf dem Gebiet der Woiwodschaft einmalige wärmeliebende Vegetation. Eine Besonderheit im Bezug auf das ganze Land stellen auch Lobeliensee-Naturschutzgebiete (die Lobelienseen kommen nur in Pommern vor) und ein mykologisches Naturschutzgebiet, in dem Pilzarten geschützt werden, dar. Unter den faunistischen Naturschutzgebieten überwiegen solche, die zum Schutz der Vogelarten und deren Lebensräume gegründet wurden, es entstand allerdings auch ein Fisch-Naturschutzgebiet (auf dem Fluss Grabowa). Einen Besuch wert sind vor allem die Naturschutzgebiete zum Schutz der Landschaft und die geologischen Naturschutzgebiete, vor allem wegen der einmaligen Aussichten.

Die Natur wird auch durch das Europäische Ökologische Netz Natura 2000 geschützt. Im Rahmen dieses Systems entstanden in unserer Woiwodschaft 21 EU-Vogelschutzgebiete und 64 Fauna-Flora-Habitat-Gebiete (FFH-Gebiete).